· 

Kein Loslassen ohne Zulassen

Überall wird von Loslassen gesprochen und meint damit etwas ganz anderes. Loslassen bedeutet nicht dass wiederkehrende Gedanken & Gefühle (in Bezug auf eine Situation oder Person) nicht sein dürfen. Es bedeutet auch nicht, diese Gedanken & Gefühle oder Situation oder Person zu bewerten. Es bedeutet nicht Gedanken & Gefühle mit positiven Affirmationen zu überdecken. Loslassen bedeutet auch nicht zu dissoziieren - also uns von diesen Gefühlen abzutrennen. Loslassen bedeutet nicht Gefühle & Gedanken mit kognitiven Mitteln zu analysieren. Es bedeutet auch nicht, uns von unseren Gefühlen abzukoppeln um die ganze Sache aus einer Meta-Perspektive zu betrachten. Und es geht auch nicht um Gedankenkontrolle.

Wenn wir das Prinzip von Balance verstehen – so wie es die liegende 8 symbolisiert wird klar, dass ein innerer Impuls, ein Gedanke, ein Gefühl Bewegung ist die kommt und geht wie ein Pendel das schwingt. Das Pendel schwingt von links nach rechts und unser Geist, unser Verstand ist wie ein Magnet, welches das Pendel zu sich zieht und es zum Stillstand bringt. Das Pendel hängt schief und „klebt“ an diesem Magnet, ist starr und unbeweglich und der „Schwung“, die natürliche Bewegung ist unterbrochen. Das ist was wir mit unseren Gefühlen & Gedanken tun, wenn wir sie festhalten. Der Magnet ist unser Verstand, der „Tricks“ anwendet, um die Bewegung der Gedanken, der Gefühle zum Stillstand zu zwingen, aus Angst die Kontrolle zu verlieren. So kämpfen wir gegen die Angst etwas zu verlieren das wir paradoxerweise loswerden möchten.

Gefühle & Gedanken sind jedoch – wie jede Bewegung und alles Lebendige im Kosmos dem Prinzip der Schwingung und der Polarität unterworfen. Was bedeutet dies? Die liegende 8 versinnbildlicht dieses Prinzip perfekt. Fahren wir gedanklich der Linie der liegenden 8 entlang, stellen wir fest, dass diese Linie unendlich ist und von einer Seite auf die andere schwingt, die nicht gerade ist, sondern gebogen, um den Schwung nicht zu verlieren – so wie es ein Pendel tut, wenn es nicht zwischen zwei Magneten steht. Alles was sich fortbewegt, bewegt sich über das Zentrum/die Mitte wieder auf uns zu und bewegt sich wieder über die Mitte/das Zentrum von uns weg. Das Zentrum wo sich die Linien der 8 kreuzen – das sind wir. Halten wir diese Bewegung an, stoppen wir die natürliche Bewegung, den natürlichen Ausdruck unserer Gedanken & Gefühle. Wir haben oft Angst, dass uns diese Gedanken & Gefühle wegschwemmen, deswegen klammert sich unser Verstand daran fest. Begreift man sich als Teil der liegenden 8 versteht man, dass die Schwingung, die Bewegung unserer Gefühle & Gedanken sich selbst ausbalancieren, wenn wir sie nicht kontrollieren wollen. Die liegende 8 ist das Prinzip des Gehens und Kommens und jedesmal kommt dieses Gefühl, dieser Gedanke in anderer Form wieder und wieder zu uns zurück bis wir in der Lage sind, selbst zur 8 zu werden. Selbst zum Pendel zu werden anstatt zum Magneten. Bewegung – und dazu gehören Gedanken & Gefühle – ist gekennzeichnet durch hinzu & hinfort-Bewegung. Nichts, was wir loslassen, ist weg – aber es tangiert uns nicht mehr in dem Masse dass es unsere eigene Schwingung blockiert.

Was bedeutet dies nun konkret im Umgang mit wiederkehrenden Gedanken & Gefühlen – was können wir tun? Und hier kommt die Frage ins Spiel wie wir etwas loslassen können. Was können wir also tun um etwas loszulassen, damit wir weitergehen können? Das Paradoxe ist, wir können nichts tun! Wenn wir aktiv versuchen mit unserem Willen einzugreifen unterbrechen wir die natürliche Bewegung. Was wir „tun“ können, ist die Gedanken wahrzunehmen ohne sie zu bewerten und die Gefühle zu empfinden ohne Bewertung. Dies bedeutet Gefühle zu erfahren anstatt sie zu verstehen. Unser Geist, unser Verstand braucht nichts zu tun, ausser den Körper die Erfahrung machen zu lassen. Der Verstand darf vertrauen, dass der Körper diese Erfahrung tragen kann ohne dass ihm was passiert. Unser Körper – als Ganzheit betrachtet – verhält sich natürlich und ist in der Lage sich selbst zu regulieren. Wenn wir ihn lassen. Es geht also nicht darum, aktiv einzugreifen sondern sich dieser Erfahrung hinzugeben ohne Erwartung an ein bestimmtes Ergebnis. So respektieren wir das harmonische Urprinzip des Lebens welches unser Körper in sich trägt.

Die Organismen, Zellen und Organe im Körper „arbeiten“ zusammen durch das Prinzip der ausgleichenden Energie. So kann der Körper zum Beispiel schwitzen um einen Hitzestau zu vermeiden. Es kann Tränen fliessen lassen, um angestaute emotionale Energie wieder ins Fliessen zu bringen. Er kann Schreien, um Druck aus dem Körper zu entlassen und er kann zittern, um ein Überfluss an Energie zu entladen. Der Körper ist nicht unser „Gerät“ das optimiert werden muss. Er ist unser Instrument um Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Er ist ein Resonanzraum, der in seiner eigenen Frequenz schwingt. Wenn wir uns erlauben würden, ihn als unseren Resonanzraum zu sehen, dann wären wir ihm unendlich dankbar, dass er sich so ausdrückt und so ist wie er ist.

Loslassen bedeutet also das Zulassen von natürlicher Bewegung in unserem Körper ohne diese lenken zu wollen. Das Wasser im Fluss fragt sich ja auch nicht wo das alles noch hinführen soll. Es fliesst einfach. Unentwegt. Genauso verhält es sich mit unseren Gedanken und Gefühlen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0